Archiv für die Kategorie ‘Frankreich’

Aquitanien – Von der Biskaya ins Hinterland

Mittwoch, 17. August 2011

Meer, Meer und noch mehr Meer. Die Strände der französischen Atlantikküste in Aquitanien sind vor allem eins: groß. Von überall erreicht man den Ozean und findet auch ein einsames Stück Sand und Wasser nur für sich. Im Landesinneren kennt man vor allem Bordeaux und der Name klingt nicht nur Weinliebhabern im Ohr. Hinter Bordeaux dominieren die Weinberge und romantische kleine Orte mit ihren kernigen Bewohnern.

Einer der wunderwollen Strände in Aquitanien

Einer der wunderwollen Strände in Aquitanien

Der Beginn dieser einwöchigen Reise mit einem Mietwagen durch Aquitanien ist in Pouillac. Das kleine, auf der Halbinsel Médoc gelegene Städtchen ist für seinen Wein weltberühmt. Auf etwa 900 Hektar Land werden die großen Gewächse Lafite-Rothschild, Latour und Mouton-Rothschild angebaut. Wohl dem, der im Kofferraum des Mietwagens ein wenig Platz gelassen hat, um ein paar Kisten des guten Rotweins mitzunehmen. Ein bezaubernder Strand, ein schöner Yachthafen und diverse Möglichkeiten zum Wassersport tragen zu einem schönen Tag in Pouillac ebenso bei, wie der Besuch eines der Châteaux, die ihre Keller gerne für Besucher öffnen. Nun geht’s so richtig ans Meer. Soulac-sur-Mer ist das nördlichste Seebad der Côte d’Argent und liegt geschützt hinter einer Sandbank (52 km, D205, D1215). Der Ort ist angenehm, duftet verlockend nach Pinien und salziger Luft und hat mit der Kirche Notre-Dame-de-la-Fin-des-Terres ein interessantes historisches Denkmal.

Hourtin erreicht man am schönsten über die Küstenstraße, die sich aber etwas komplizierter und auch ein wenig länger mit dem Mietwagen fahren lässt als der direkte Weg (48 km, D101, D102E1, D102, Av. de l’Europe, D101E7, D101). Das Leben in Hourtin spielt sich um den Lac d’Hourtin ab, dem größten natürlichen Binnensee Frankreichs. Das größte der Seebäder ist Lacanau-Océan (34 km, D3, rechts auf D6). Hinter hohen Dünen verstecken sich traumhafte 14 Km Strand vor einem wellenreichen Meer. Viele Surfer frönen hier ihrer Leidenschaft. Durch einen dichten Pinienwald erreicht man das Nahe Lacanau, das an dem ebenfalls recht großen Lac de Lacanau liegt. Fährt man 35 Km südlich auf der D3, ist man schon am Cap Ferret. Es markiert die Nordspitze des Bassin d’Arcachon. Vom 53 m hohen Leuchtturm sieht man das Watt und den offenen Ozean – ein wirklich außergewöhnlich schöner Blick. Am Südende des Bassins ist Arcachon zu finden. Um dorthin zu gelangen, kann man den Mietwagen über ein Stück Autobahn bewegen. Schöner und mit viel mehr Sicht auf die wunderbaren Seiten dieser Region fährt man über die Nebenstraßen (44 km, D3, D650). Das lebhafte Arcachon bietet sich zu einem schönen, entspannten Tag am Strand an, bevor es zur sagenhaften Dune du Pilat geht (12 km, D218). 170 Stufen sind zu erklimmen, bevor der Blick über Pinienwälder, weiße Sandbänke und das tiefblaue Meer schweifen kann.

Dramatischer Blick über Bordeaux

Dramatischer Blick über Bordeaux

Mit dem Mietwagen durchfährt man den herrlich grünen Naturpark Landes de Gascogne und erreicht nach 63 Km Bordeaux (D259, N250, A660, D260, D650, D1250). Besonders die Altstadt von Bordeaux ist nach der Neugestaltung ein Traum und ein unterirdisches Parksystem erleichtert den Besuch enorm. Guten Wein wie in Bordeaux bekommt man auch in St. Emilion (44 km, D936, D122). Anziehend sind aber ebenso die Altstadt und die unterirdische, in den Fels geschlagene Kirche Église Monolithe. Noch weiter im Landesinneren umgeben von Weinbergen liegt Bergerac (58 km, D243, D130, D936, D32). Durch den hübschen Ort fließt die Dordogne, die mittels einer schönen Brücke überquert werden kann. Weiteres Highlight der Stadt ist das Tabakmuseum am, wie passend, Place du Feu.

Noch ein letztes Mal lässt man die Landschaft mit den Weinbergen, den kleinen Hügeln und tiefen Talebenen auf sich wirken, bevor man mit dem Mietwagen die Endstation der Reise, Sarlat-de-Canéda, erreicht (74 km, D660, D29, D25, D703, D49, D57). Mittelalterliche Gässchen, gotische Häuser, verträumte Plätze, all das macht Sarlat aus. Auch die Märkte, die in der ganzen Stadt stattfinden, genießen einen hervorragenden Ruf. Und trotzdem geht es lebhaft zu, man genießt, zelebriert den Rotwein und lässt die Seele baumeln. Das sollte man den Einwohnern einfach nachmachen.

Von Nancy nach Strasbourg durch die Vogesen

Mittwoch, 03. August 2011

Die Vogesen – nie hätten wir gedacht, dass es dort so schön sein kann. Riesige Berge mit runden Kuppeln, dazwischen bewaldete Täler, klare Bergseen und grüne Almwiesen. Dazu ein Blick ins Weite, dessen Schönheit keine Postkarten der Welt wiedergeben kann. Wir können nur jedem empfehlen, einmal eine Fahrt mit dem Mietwagen durch die Vogesen zu machen. Vielleicht diese Tour? Von Nancy durch die Vogesen ins Elsass bis nach Strasbourg.

Place Stanislas in Nancy

Place Stanislas in Nancy

Schon Nancy überrascht mit einigen Highlights. Der Place Stanislas wurde 2005 renoviert und strahlt nun noch mehr eine edle Ruhe aus. Vielen gilt er als der schönste Platz der Welt. Die Schönheit und die zahlreichen Jugendstil-Bauten verdankt die Stadt  traurigen Ereignissen. Kriege und ein Großbrand zerstörten Nancy fast komplett, also wurde sie ab dem 18. Jhd. nach der jeweiligen Mode wieder aufgebaut. Jugendstilfreunde kommen auch im Musée de l’Ecole de Nancy (36-38, rue Sergent Blandan) auf ihre Kosten. Das Museum widmet sich der Lothringer Art nouveau auf interessante Weise – ganze Räume wurden im Stil perfekt eingerichtet.

Auf den folgenden 95 Kilometern nähert man sich nun im Mietwagen gemütlich den Vogesen und Saint-Dié-des-Vosges (D674, A330, A33/Strasbourg, N333, D914, D414, D159B, D32, N59). Man könnte die Strecke auch in 84 Kilometern nur über die N59 zurücklegen, doch der erste Eindruck auf das Mittelgebirge wäre nicht der gleiche.  Saint-Dié-des-Vosges liegt am Rande des Naturparks Ballons des Vosges. Die knubbeligen Hügel des Gebirges gehören zu der Stadt wie die trutzige Kathedrale aus dem 12. Jhd., die von dem Starachitekten Le Corbusier erbaute Fabrik Duval und der Freiheitsturm, das Wahrzeichen der Stadt. Die Innenstadt ist eher nüchtern und von phantasielosen Nachkriegsbauten geprägt, deswegen hält man sich hier nicht zu lange auf. Denn den Mietwagen lenkt man nun mitten durch die wunderbaren Vogesen.

Kurvenreiche, aber dennoch gut zu fahrende, Landstraßen führen durch den Naturpark, der nicht nur zufällig Ähnlichkeiten mit dem Schwarzwald aufweist. Wie der Schwarzwald sind auch die Vogesen aus Schiefer, Graniten und Vulkaniten aufgebaut. Was das Gebirge aber vom Wald unterscheidet, sind die hügeligen, unbewaldeten Flächen, die von Heidelbeersträuchern und Buschwerk durchzogen sind. Alle Farben der Natur versammeln sich, um dem Betrachter in Verzückung zu versetzen. Hält man mit dem Mietwagen nicht an, aber das sollte man wirklich nicht versäumen, fährt man eine gute Stunde bis nach Colmar (58 km, D420, D415, D83, D418/Colmar). Colmar ist die drittgrößte Stadt im Elsass und liegt an der Elsässer Weinstraße. Das und auch die prächtige Altstadt mit den guterhaltenen Fachwerkhäusern der Renaissance und des Mittelalters, zieht Jahr für Jahr etliche Besucher in ihren Bann. Das Viertel „Petit Venise“ hat mit Venedig zwar nur die Nähe zum Wasser gemein, ist aber trotzdem ein Ort für Romantiker.

Strasbourg

Strasbourg

Romantisch ist auch die Weiterfahrt im Mietwagen bis nach Strasbourg. Auf der Route des Vins, der Weinstraße, passiert man Kapellen, Kirchen und Weingüter, fährt durch ausgedehnte Weinanbaugebiete und so hübsche, kleine Dörfer wie Ribeauvillé, Bergheim, Kintzheim, Itterswiller, Obernai und Wangen, die alle einen kurzen Besuch lohnen (108 km, N83 Ausfahrt Ribeauvillé, D416, D1B, D35, D109, D426, D422, D1004, N4). Was Colmar sein „Petit Venise“, ist Strasbourg  gleich sein „La Petite France“. Die mittelalterlichen Häuser mit dem Fluss Ill zum greifen nah, ergeben zusammen mit den engen Gässchen perfekte Harmonie. Die Altstadt mit der bedrohlich wirkenden Cathédrale Notre-Dame und dem alten Fachwerk ist trotz, oder gerade ob des hier sitzenden Europaparlaments, des Europarats und des Fernsehsenders Arte modern und voller Elan. Nach der Reise gibt man den Mietwagen in Strasbourg wieder ab und begibt sich auf eines der Boote, die Bateaus omnibus, die auf der Ill und durch mehrere Schleusen die Stadt aufs schönste umfahren. An lauen Sommerabenden hält es niemanden zuhause und in den zahlreichen Restaurants und Bars wird das Leben genossen. Ja, da fühlt man sich doch wirklich wie Gott in Frankreich.

Provence – Auf den Spuren der Römer

Mittwoch, 13. April 2011

Ein sattes Violett liegt über der Provence, wenn im Juni der Lavendel seine Blüten zeigt, die im warmen Sommerlicht einen betörenden Duft verströmen. In der Ferne rauscht das Meer, glitzernde Lagunen, sattgrüne Weiden und weite Sümpfe im Süden stehen im Kontrast zu den faltigen Bergen und den tiefen, ergreifenden Schluchten der Alpilles. Ob auch die Römer diese Schönheit zu schätzen wussten, oder ob sie nur der strategischen Lage zur Ergreifung der Macht gegen Karthago wegen die Provence besiedelten, bleibt der Phantasie überlassen. Die römischen Geschichte ist allgegenwärtig und eine Reise zu den Kultstätten dieser Zeit verspricht eine abwechslungsreiche Tour. Ideal, um sich in zwei Tagen mit dem Mietwagen auf die Spuren der Römer zu begeben.

Großes Lavendelfeld in der Provence

Großes Lavendelfeld in der Provence

Gleich zu Beginn der Exkursion in Arles, sticht das Amphitheater ins Auge. Es war das größte seiner Art im römischen Reich und wurde im Mittelalter zu einer „Stadt in der Stadt“ ausgebaut. Aus drei Geschossen bestehend, bot sie Platz für 25.000 Zuschauer. Heute, nachdem die Häuser ab dem 19. Jhd. aus dem Inneren entfernt wurden, dient die Arena als Austragungsort für Stierkämpfe, Festivals und Theateraufführungen. Vom antiken Theater, 25 v. Chr. errichtet, sind das Orchester, die unteren Sitzreihen und zwei Säulen erhalten geblieben. Eindrucksvoll sind auch die Überbleibsel des römischen Forums mit seinen nur in kleinen Teilen freigelegten Thermen. Während der Stadtbesichtigung parkt der Mietwagen unter den Platanen am Boulevard Georges-Clemenceau, von wo aus es weiter nach Saint-Remy-de-Provence geht (28 km, Av de Stalingrad, D17 Richtung Moussane-les-Alpilles, links auf D5). Etwa einen Kilometer vor den Toren der Stadt, liegt direkt an der Strecke die Ausgrabungsstätte der antiken Stadt Glanum. Dort, auf einem von Olivenbäumen, Kiefern und Platanen verzierten Terrain, stehen mit dem Triumphbogen und einem Mausoleum zwei bedeutende Monumente der Römerzeit. Saint-Remy selbst ist ein charmanter Ort, typisch für die Region, mit allerlei Dokumenten der römischen Vergangenheit, des Mittelalters und einer reichen Auswahl an Cafés, Galerien und hübschen Geschäften.

Verträumtes Städtchen in der Provence

Verträumtes Städtchen in der Provence

1 ½ Stunden dauert die Weiterfahrt über Land durch die farbenfrohe Welt der Provence durch bezaubernde kleine Städtchen wie Cavaillon, Velleron, Carpentras und Malaucène bis nach Vaison-la-Romain (75 km, D99, D938, D31, D49, D938). Da Carpentras auf dem Weg liegt, lohnt ein kurzer Halt zur Besichtigung des römischen Ehrenbogens am Justizpalast vor allem an einem Freitagvormittag, wenn Markt ist und die gesamte Innenstadt lebendig wuselt. Vaison-la-Romain ist zweigeteilt. Während in der Oberstadt mit der Schlossruine das Mittelalter Präsenz zeigt, imponiert die Unterstadt durch reichlich römische Hinterlassenschaften. Die Ruinen zweier römischer Stadtviertel, ein antikes Theater, Villen, hängende Gärten und eine große Thermalanlage lassen die Archäologen annehmen, das Vaison seinerzeit wohlhabender war als Pompeji. Die römische Brücke Pont Romain, die die Unter- mit der Oberstadt verbindet, ist so gut erhalten, dass sie von Fußgängern heute noch genutzt werden kann.

Weltberühmte Pont du Gard

Weltberühmte Pont du Gard

Als eine der wichtigsten römischen Städte der Provence galt Orange (29 km, D977, rechts auf D23, in Camaret-sur-Aigues auf D975 Richtung Orange). Fährt man über die Avenue Edouard um die verkehrsberuhigte Altstadt herum, gibt der Parkplatz am Hügel Colline St-Eutrope die Möglichkeit, den Mietwagen abzustellen. Der Arc de Triomphe, eine der größten noch erhaltenen römischen Toranlagen, steht inmitten eines Kreisverkehrs am nördlichen Eingang der Stadt. Noch berühmter ist das römische Theater. Obschon 2.000 Jahre alt, ist es nahezu original erhalten. Noch immer ist Platz für 9.000 Zuschauer, die sich jedes Jahr begeistert zu den Opernfestspielen einfinden. Den Abschluss einer solch römisch motivierten Reise muss natürlich die Pont du Gard bilden, die beeindruckende Aquäduktbrücke in der Nähe von Remoulins (37 km, A9 Nimes/Montpelliert, Ausfahrt 23 Richtung Beaucaire-Tarascon/Uzès, in Remoulins auf Route du Pont du Gard). Die beeindruckende Höhe, und der erhaltene Wasserkanal machen das römische Bauwerk zu einem der wichtigsten in der Welt. Und noch dazu liegt sie in einer traumhaft schönen Gegend.