Archiv für die Kategorie ‘England’

Tagestouren ins Londoner Umland

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Keine Frage, London ist großartig und ein Städtetrip in die pulsierende Metropole Großbritanniens ein unbedingtes Muss für jeden Reisebegeisterten. Doch auch das Umland der britischen Hauptstadt ist so wunderschön, dass es schade wäre, es nicht wenigstens einen Tag mit dem Mietwagen zu erkunden. Wie wäre es z.B. mit:

Brighton Pier
Brighton Pier

Brighton:
Von London in 1 ½ Stunden und 85 km über die A23 zu erreichen liegt Brighton. Der schöne Küstenort ist unbedingt einen Ausflug wert. Er bietet einen kilometerlangen Strand, einige Sehenswürdigkeiten, eine junge Szene und ein trendiges Shoppingangebot. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist der Royal Pavillon. Anfang des 19. Jahrhunderts ließ der Prince of Wales diesen üppige Traumpalast in chinesischem Stil innen und mit Zwiebeltürmen, Minaretten und Zierbalkonen außen erbauen. Die Residenz liegt mitten in der Stadt und wird mit seinem parkähnlichen Garten zu einer wahrlichen Oase der Ruhe. Der über 100 Jahre alter Pier im viktorianischen Stil ragt weit in den Ärmelkanal hinein und Bewohner und Besucher bewundern besonders bei Sonnenschein die idyllische Atmosphäre auf Liegestühlen und Bänken. Abends locken Casinos und Glücksspielautomaten die Rastlosen auf den Pier, die in gediegener Umgebung ihr Glück versuchen. Die „Lane“ ist die Einkaufszone der Stadt, die durch schmale Gassen, historisches Flair und richtig gute Shops begeistert. Mehr als 400 Restaurants laden zum gemütlichen Dinner ein, aber auch Pubs und Bistros finden sich besonders im Trend-Viertel „North Laine“. In zahlreichen Parkhäusern in der Stadt können Sie Ihren Mietwagen abstellen. Die Parkgebühren liegen im üblichen Rahmen (ca. 2 EUR pro Stunde).

Kings's College chapel
Kings’s College chapel

Cambridge:
Gut 95 km fährt man von London über die M11 und dann immer den Schilder in Richtung Cambridge nach in die weltberühmte Universitätsstadt. Sie ist nicht groß und leicht zu Fuß zu besichtigen. Doch nicht nur die altehrwürdigen Universitätsgebäude machen den Charme der Stadt aus. Besonders auffällig ist die Symbiose aus alt und neu. Neben alten historischen Gebäuden vergangener Epochen stehen moderne Bauwerke mit aufwendiger Architektur. In den historischen Gassen findet sich noch ein Hauch Mittelalter, die eleganten Collegevorhöfe erstrahlen im satten Grün und viele kleine Brücken über der Cam, die die Stadt durchziehen, entzücken. Aber auch wer gerne bummelt, sich treiben lässt oder einfach nur in gediegenem Ambiente  kleine, sympathische Läden entdecken will, fühlt sich in Cambridge wohl. Und auch die Kultur kommt nicht zu kurz. Zahlreiche Museen und Kunstgalerien erwarten die Besucher. Viele Studenten gleich viele Pubs – eine einfache Gleichung, die in Cambridge definitiv aufgeht. Ein kleiner Absacker in einem der 120 Pubs muss sein, bevor es zurück nach London geht. Auch in Cambridge finden sich viele Parkhäuser aber auch Park & Ride ist möglich. Im Falle eines Knöllchens, kann man das sogar online bezahlen (https://www.e-paycobalt.com/cambridgeshire).

St. George's Chapel in Windsor
St. George’s Chapel in Windsor

Windsor, Eton:
Um in das 40 km entfernte Windsor zu gelangen, fährt man die A4 bis Hogarth und wechselt dann auf die M4. Die mächtige königliche Burg prägt seit über 900 Jahren das Stadtbild, das uns vor allem durch die Geschichten aus dem britischen Königshaus bekannt ist. Die Queen verbringt hier manches Wochenende. In der St. George’s Chapel der Burg liegen 10 Monarchen begraben und Camilla und Charles gaben sich hier das „Ja“-Wort. Der umliegende Park „Windsor Great Park“ lädt zu einem ruhigen Spaziergang ein, der zum herrlichen „Savill Garden“ im Südosten der Anlage führen sollte. Im Eton-Kollege in Eton, das nur durch eine Brücke von Windsor getrennt ist, wurden seit der Gründung 1440 zahlreiche berühmte Menschen unterrichtet. Die letzten großen Berühmtheiten waren die beiden Söhne von Prinz Charles und Prinzessin Diana. Parkmöglichkeiten finden sich überall in der Stadt.

Von London in die Hügelwelten der Cotswolds

Mittwoch, 22. September 2010

Die Region Cotswolds wird oft als das Herz Englands bezeichnet. Vielleicht, weil es in der Mitte des Landes zu finden ist, vielleicht aber auch, weil die Region durch die charakteristischen Kalksteinbauten so hübsch anzusehen ist. Vermögende Londoner haben hier ihren Zweitwohnsitz und das wirkt sich auch auf das Leben aus. Wohlstand und die idyllisch-grüne Umgebung sind nicht nur im Sommer ein Hochgenuss. Besonders im Herbst zeigt sich die Szenerie in einem Kleid braun-bunter Farben.

"The East Banqueting House"

"The East Banqueting House"

In einer eintägigen oder auf mehrere Tage ausgedehnten Mietwagenrundtour ab London, werden die schönsten und interessantesten Orte angefahren und auf den Straßen diese wunderbare Umgebung ausgekostet.

Von London nur 167 km entfernt (M40 Richtung Watford und bei Warwick auf A46 nach Stratford-upon-Aven) liegt Stratford-upon-Aven. Ein beliebtes Ziel ist der Ort, da hier in der Henley Street das Geburtshaus von William Shakespeares vermutet wird. Das Haus aus dem frühen 16. Jh. ist ein typisches Mittelklassehaus seiner Zeit. Im Inneren finden sich Einrichtungen aus der elisabethanischen Zeit, jedoch keines, das wirklich zu Shakespeares Eigentum gezählt werden kann. Die Grammar School in der Church Lane war die Schule des Schriftstellers. In der Chapel Street stand einst Shakespeares Wohnhaus, das aber 1759 von den damaligen Besitzern abgerissen wurde. Die Grundsteine sind in dem hübsch angelegten Garten aber noch erkennbar. Dem hohen Besucherandrang wurde man mit vielen gebührenpflichtigen Parkplätzen gerecht, die ausgeschildert überall in der Stadt verteilt sind. Grundsätzlich sollte man in allen englischen Orten auf ausgeschilderten Flächen parken. Falschparker werden fast immer erwischt und empfindlich bestraft.

Das Geburtshaus von William Shakespear in Stratford Upon Avon

Das Geburtshaus von William Shakespear in Stratford Upon Avon

Der Badeort Cheltenham ist das nächste Ziel (50 km: A46, bei Teddington Hands im Kreisverkehr zweite Ausfahrt A435 Richtung Cheltenham). Königin Victoria und Jane Austen liebten Cheltenham für die Mineralquellen der Kurstadt und besuchten sie oft. Bis heute hat sie einen Ruf als vornehme und reiche Stadt. Ihr angenehmes Erscheinungsbild wird durch viele Parks geprägt. Die  Pferderennbahn genießt international einen guten Ruf. Nur unweit entfernt befindet sich die Stadt Gloucester, mit der sich Cheltenham eine Universität teilt (15 km: A40 bis Tewkesbury Road, dann links). Das ehemals verkommene Hafenviertel hat eine Wiederbelebung erfahren, die sich in hochwertigen Häusern, angesagten Clubs und exklusiven Geschäften zeigt. Viele Kirchen gibt es zu besichtigen, wobei die interessanteste sicherlich die Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit von Gloucester ist.

Bath's Bäder

Bath's Bäder

Swindon (60 km: A417 und dann A419 Ausfahrt Richtung Dorcan) liegt in der Grafschaft Wiltshire im Südwesten des Landes und hat eine lange Geschichte. Römer, Sachsen und Angelsachsen ließen sich in dem Ort nieder, der einst ein kleiner Marktort mit Tauschhandel war. Auf einem Hügel befindet sich die Old Town mit dem historischen Marktplatz. Mal eine ganz andere Art von Sehenswürdigkeit ist der Magic Roundabout (Magische Kreisverkehr) im Zentrum von Swindon. Er besteht aus einem großen Kreisel in der Mitte und fünf kleineren, die ringförmig um ihn angeordnet sind. Er ist einzigartig in seiner Form, obwohl er seit 1972 besteht und auch funktioniert. Auf dem Weg nach Bath passiert man den Magischen Kreisel auf dem Weg zur M4. Dann auf die A46 Richtung Bath fahren. Gut 60 km sind es von Swindon in eine der schönsten Städte Europas. Bath gehört zum kulturellen Welterbe, die Bauwerke sind architektonische Meisterleistungen und das Leben in der Stadt zeigt sich kultiviert und elegant. Moderne und historische Bäder zeugen vom Ursprung der Stadt. Hochinteressant ist auch das Fashion Museum in der Bennett Street.

Letztes Ziel auf der Route, bevor es zurück nach London geht, ist das 50 km entfernte und direkt über die A4 erreichbare Marlborough. Silbury Hill und der prähistorische Grabhügel auf dem Gelände des Colleges zeugen von den ersten Spuren menschlicher Besiedelung. Auf dem Grabhügel soll der Zauberer Merlin begraben liegen. Der Wochenmarkt ist nicht nur beliebt bei den Bewohnern. 35 km südlich von Marlborough befindet sich die  weltberühmte Megalithenansammlung Stonehenge. Die M4 in östlicher Richtung führt von hier in 125 km nach London.

Autofahren in England

Mittwoch, 08. September 2010

Britische Gelassenheit findet sich nicht nur in den Pubs, den Warteschlangen an der Bushaltestelle oder dem Bankgeschäft Englands. Nein, äußerst gelassen ist der Brite auch im Straßenverkehr.

Gerade gegenüber motorisierten Besuchern vom europäischen Festland zeigt sich die Ruhe des Insulaners. Zum Beispiel, wenn ihm ein Auto oder Mietwagen – am Steuer vermutlich ein Tourist – auf der falschen Spur entgegen kommt. Da wird nicht wild mit dem Kopf geschüttelt oder der strafbare Stinkefinger erhoben; der Engländer weiß, dass gewohnt rechtsfahrende Ausländer den vorherrschenden Linksverkehr erst mal verinnerlichen müssen und hat Verständnis.

Tourist auf Abwegen
Tourist auf Abwegen

Die Eingewöhnungszeit, um sich im englischen Linksverkehr zurecht zu finden, ist meist recht kurz, sollte aber durch eine vorsichtige, langsame und vor allem hochkonzentrierte Fahrweise unterstützt werden. Als spannend erweisen sich die üblichen Kreisverkehre des Landes. Hier werden viele Fahrer, in deren Land rechts gefahren wird, zum Falschfahrer. In einfachen Kreisverkehren gilt: sofern nicht durch Verkehrszeichen anders geregelt haben die in ihm befindlichen Fahrzeuge immer Vorfahrt. Geblinkt wird vor der Ausfahrt in die Richtung, wo es hingehen soll. In Wohngebieten gibt es eine spezielle Form von Kreiseln, die durch einen weißen Punkt von 30 cm Durchmesser in der Mitte erkennbar werden. In ihnen hat der von links kommende Verkehr Vorfahrt. Um geradeaus zu fahren, muss nicht um den Punkt herum gefahren werden, sondern der Weg führt einfach durch die Mitte. In mehrspurigen Kreisverkehren gilt zu beachten, dass die äußere Spur nur zum Ausfahren aus dem Kreis genutzt werden darf, sonst droht Blechschaden.

Kreisverkehr in England
Kreisverkehr in England

Das Autobahnnetz in England ist gut ausgebaut. Gedrängelt, ob per Hupe, Lichthupe oder Blinker, wird nicht. Der Blinker wird genutzt, um einen Spurwechsel anzukündigen. Gerne auch, wenn sich direkt daneben ein Auto befindet. Man sollte sich in diesem Fall nicht erschrecken, sondern wissen, dass der englische Autofahrer blinkt, weil er gerne auf die andere Spur fahren „möchte“. Er wird es aber nicht gleich tun. Er wartet ab, bis sich eine Lücke auftut und hofft, dass sein Blinklicht einen anderen Verkehrsteilnehmer dazu bringt, ihn vor zu lassen.

Auf Autobahnen und Schnellstraßen, den Dual Carriage Ways, gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 112 km/h (entspricht 70 miles). Landstraßen sind auf 96 km/h begrenzt, was 60 miles entspricht. Durch die Stadt darf ein Auto nicht schneller als mit 48 km/h, also 30 miles, gelenkt werden.

Das Hupen zwischen 23.30 Uhr und 7.00 Uhr ist in geschlossenen Ortschaften verboten.

Die Blutalkoholwertgrenze am Steuer liegt bei 0,8‰ und wird streng kontrolliert.

Auch in England ist, wie in den meisten Ländern der Welt, das Telefonieren mit einem Handy am Ohr während der Fahrt verboten und nur Freisprecheinrichtungen ermöglichen Telefonate.

Busspuren in der Stadt dürfen mitbenutzt werden, außer zu den auf Schildern angezeigten Zeiten.

Britischer Verkehr
Britischer Verkehr

Einfache oder doppelte gelbe Streifen am Straßenrand markieren ein Halteverbot. In den Städten des Landes gibt es überall kostenpflichtige Parkplätze. Die sollte man nutzen, denn gerade in England hat sich die Reifenkralle etabliert. Falsch parkende Fahrzeuge werden damit „gefesselt“, bis sie in Form einer Geldstrafe wieder ausgelöst werden.

Noch ein paar Eckpfeiler für Bußgelder: Falschparken kostet 35 bis 95 EUR, Alkohol am Steuer bis zu 8.000 EUR und 20 km/h zu schnell unterwegs sein haut mit gut 300 EUR ein Loch in die Urlaubskasse. Unangeschnallt im Auto zu fahren kann auch empfindlich teuer werden. Der Ermessensspielraum für eine Strafe liegt zwischen 25 und 600 EUR. Noch mal schnell über die gerade rot gewordene Ampel fahren kostet unnütze 300 EUR. Am besten fährt man einfach wie die Briten: Ruhig, höflich und gelassen.